“Es wäre sinnvoller, von Solidarischen Ökonomien zu reden”

Was genau ist eigentlich Solidarische Öko- nomie? Und was ist es nicht? Das Radio Unerhört Marburg (RUM), ein freies, nicht-kommerzielles Radio, hat sich diese Fragen gestellt und ein paar Antworten bei Robin Stock, einem Mitorganisator des Forum Solidarische Ökonomie in Kassel und Mitglied des Netzwerk Solidarische Ökonomie gefunden. Ein Gespräch über die Vielfalt der Definitionen, demokratische Mitbestimmung und die Ursprünge der Solidarischen Ökonomie.

Zum hören bitte auf das Bild klicken! Wir danken dem RUM, dass wir ihren Beitrag hier verwenden können! Dauer: 15 min.

Mapping-Projekt “Vivir Bien”

“Vivir Bien – Ressourcen für solidarische Lebensweisen” ist ein Mapping-Projekt, dass sich zum Ziel gesetzt hat, weltweit Initiativen und Strukturen zu erfassen, die abseits kapitalistischer Gewinnlogik existieren. Es entstand im Rahmen der Plattform “Kritische und solidarische Universität”, die sich während der Studierendenproteste 2009 in Wien gegründet hat.

ASA sucht…

… und zwar dich!? Das ASA-Programm geht in eine neue Runde! Seit dem 10. November sind die Projekte für das kommende Jahr online, und unter vielen spannenden Praktika finden sich auch einige zum Thema Solidarische Ökonomie, beispielsweise diese beiden hier:

Neben diesen gibt es noch viele weitere Projekte zu ähnlichen Themen, in anderen Ländern, auf anderen Sprachen. Wenn ihr jetzt heiss geworden seid, schaut euch unbedingt das ganze Programm an und guckt, ob für euch etwas interessantes dabei ist. Bewerbungsschluss ist der 10. Januar. Und nun viel Spaß beim Stöbern!

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Das ASA-Programm ist ein Netzwerk, das weltweit Menschen, Projekte und Initiativen verbindet und sich für eine nachhaltige und sozial gerechte globale Entwicklung einsetzt. Es ist ein dynamisches Lernprogramm zur Ausbildung von gesellschafts- und entwicklungspolitisch interessierten, weltoffenen und kritisch nachfragenden Menschen.
Das ASA-Programm bietet seinen Teilnehmenden eine Kombination aus Seminaren, einem Praxisaufenthalt in einem Land Afrikas, Asiens, Lateinamerikas oder Südosteuropas und einer intensiven Auswertung im Anschluss. Dafür vergibt das ASA-Programm jährlich rund 250 Teilstipendien.
Bewerben können sich Berufstätige mit einer abgeschlossenen nichtakademischen Ausbildung sowie Studierende im Alter zwischen 21 und 30 Jahren.

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Outra Economia acontece – Eine andere Wirtschaft ist möglich

Brasilien 2006, Portugiesisch mit deutschen Untertiteln, 25min

Was ist eigentlich solidarische Ökonomie und wo kann man sie finden? Dieser Film stellt verschiedene Initiativen solidarischer Ökonomie in Brasilien vor – Beispiele aus den Bereichen Landwirtschaft, Tourismus, Konsum und Kultur.

Es handelt sich um einen WERBEfilm des brasilianischen Forums für solidarische Ökonomie (FBES) aus dem Jahr 2006. Er ist daher nicht sehr kritisch. Dennoch liefert er interessante Einblicke in die verschiedenen Aspekte der SÖ in Brasilien.

Altes Wissen in neuem Gewand

Nach einer einstündigen Bootsfahrt und dem Zurücklassen des hektischen Großstadtverkehrs von São Luis kommt man in ein kleines Städtchen, das auf den ersten Blick seine besten Tage bereits hinter sich zu haben scheint. Viele zerfallene Häuser und Ruinen ganzer Paläste zeugen von einer Vergangenheit, die zumindest für einige wenige Menschen prachtvoll gewesen sein muss. Doch die geneigte Besucherin respektive den geneigten Besucher beschleicht keineswegs ein trostloses Gefühl, wenn sie/er durch die Gassen des Zentrums schlendert. Das Städtchen besitzt immer noch viel Charme und eine angenehme Gelassenheit inmitten von Natur. Alcântara liegt auf einer Halbinsel auf der – von São Luis aus gesehen – anderen Seite der Bucht São Marcos. Früher, in der Zeit der Kolonialisierung, wohnten hier viele reiche Familien, die sich ebenso viele SklavInnen, meist afrikanischer Abstammung, hielten. Einigen dieser SklavInnen gelang die Flucht und sie siedelten sich, versteckt vor ihren „BesitzerInnen“, im Hinterland an. Die Nachkommen dieser SklavInnen – „Quilombolas“ genannt – bilden den Großteil der heute ca. 5000 Einwohner Alcântaras und seiner Nachbargemeinden. Sie zeichnen sich neben der Abstammung durch die Bewahrung der Traditionen ihrer Vorfahren aus. Weiterlesen

“Die Solidarische Ökonomie ist eine konkrete Utopie”

Interview aus dem Südwind-Magazin (Heft 2/2009)

Ein Gespräch mit Claudio Nascimento, dem Koordinator im brasilianischen Staatssekretariat für Solidarische Ökonomie (SENAES) und namhaften Vordenker für neue Formen von Politik und Wirtschaft. Das Interview führte für das Südwind-Magazin Leo Gabriel.

Südwind: Wie ist das, was wir heute Solidarische Ökonomie nennen, in Brasilien überhaupt entstanden?

Claudio Nascimento: Ich habe gerade ein Buch über meinen Weg zur Solidarischen Ökonomie geschrieben, die in der heutigen Form erst in den 1990er Jahren entstanden ist. Sie basiert aber auf viel älteren Erfahrungen, wie etwa denen der ländlichen Kooperativen in der Zeit der Militärdiktatur, aber auch auf verschiedenen Erfahrungen der Arbeiterselbstverwaltung, die es in den Städten gegeben hat.

Hier klicken, um das komplette Interview auf der Südwind-Seite zu lesen

“SÖ statt Kapitalismus? Das ist derzeit utopisch!”

Aurora Miranda ist Professorin für Politikwissenschaften an der staatlichen Universität des Bundesstaates Maranhão (UFMA). Mit ihr führten wir ein Gespräch über die Kartierung von solidarischen Betrieben und über Probleme, die die Entwicklung der Solidarischen Ökonomie behindern. Ausserdem baten wir sie um eine private Einschätzung zu den Zukunftsaussichten der Solidarischen Ökonomie.

Prof. Aurora Miranda

Ecosolimundo: Senhora Aurora, Ihre Universität arbeitet ebenfalls in Bezug auf Solidarische Ökonomie. Was genau machen Sie?

Prof. Aurora: Seit 2005 arbeiten wir an der UFMA im Zusammenhang mit Solidarischer Ökonomie, genauer gesagt an einer Kartierung von solidarischen Betrieben in ganz Brasilien. In Brasilien gibt es eine Stiftung, in der sich viele Universitäten zusammengetan habe, die sich UNITRABALHO nennt (um mehr über UNITRABALHO zu erfahren, schaut hier nach; die Redaktion). Diese Stiftung arbeitet zusammen mit dem Nationalen Sekretariat für Solidarische Ökonomie (SENAES) und anderen Organisationen an dieser Kartierung. Auch an unserer Universität gibt es dafür eine Abteilung. Wir sind zuständig für die Kartierung in den Bundesstaaten Maranhão, Piauí, Rio Grande do Norte und Céara. Weiterlesen

Eine kleine Einführung

“Solidarische Ökonomie ist für die Menschen hier vor allem eine Möglichkeit, um im kapitalistischen System zu überleben.”

So erklärt Prof. Aurora Miranda solidarische Ökonomie im Maranhao. Sie ist Professorin für Soziologie an der UFMA (Staatliche Universität des Maranhão) in São Luis, der Hauptstadt eines der ärmsten Bundesstaaten Brasiliens. Dort machen wir derzeit im Rahmen des ASA-Programms ein dreimonatiges Praktikum zum Thema „Solidarische Ökonomie im ländlichen Maranhão“. Unsere Tätigkeit ist vor allem journalistischer Art: wir sprechen mit Menschen, die sich mit diesem Thema beschäftigen, nehmen an Versammlungen und Veranstaltungen verschiedener Gruppen Teil, führen Interviews und schreiben Artikel. Alles, um Licht in dieses komplexe Geflecht aus solidarisch produzierenden Kooperativen und engagierten Netzwerken zu bringen, und um zu lernen. Dass es ein wahres Geflecht ist, kann allerdings als positiv angesehen werden: in Brasilien gibt es schon eine ganze Menge gewachsener zivilgesellschaftlicher und politischer Strukturen, die zum Ziel haben, solidarische Ökonomie (SÖ) zu fördern. Weiterlesen

Soli-Seife trifft Bio-Banane!

Im August begann die diesjährige „Saison“ der „Feiras de economia solidária“. Märkte, auf denen speziell solidarisch produzierende Kooperativen und Unternehmen ihre Produkte anbieten können. Gemüse, verschiedenste Obstsorten, Honig, Seife, wunderschöne Kunsthandwerke aus der Faser der Buritipalme, Schmuck und andere Produkte boten ein schönes, farbenprächtiges Bild.

Diese Märkte werden vom nationalen Sekretariat für Solidarische Ökonomie (SENAES) und dem brasilianischen Forum für Solidarische Ökonomie (FBES), zusammen mit ihren jeweiligen regionalen Untergruppen organisiert. Sie finden im ganzen Bundesstaat Maranhão statt und haben vor Allem den Zweck, den Unternehmen eine Verkaufsplattform zu bieten und Aufmerksamkeit für die SÖ zu gewinnen. Genauso wichtig sind meiner Meinung nach aber die Workshops, die für die TeilnehmerInnen der „Feira“ angeboten werden. Dort wird Wissen über SÖ vermittelt und in hitzigen Diskussionen debattiert, was SÖ für die Teilnehmenden überhaupt bedeutet. Zudem werden Informationen an die Frau und den Mann gebracht, wie solidarische Kredite beantragt werden können oder was sich in der Welt der Gesetze in letzter Zeit getan hat. Kurzum: Die Workshops sind wichtige Bausteine dafür, dass das theoretische Konstrukt der SÖ bei der Bevölkerung ankommt, sich mit Leben füllt und sie selber Informationen weitergeben kann. Weiterlesen